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Celler Handball-Duo für die richtigen Entscheidungen

Celle hat nach langen Jahren wieder ein Schiedsrichter-Topgespann auf dem Handballfeld. Fast 30 Jahre nachdem Helmuth Wöbke und Joachim Niederlüke zusammen Spiele in der Bundesliga Frauen und 2. Liga Männer geleitet haben, schicken sich Sebastian Ebel und Niklas Krähe an, in deren Fußstapfen zu treten. Als eingespieltes Team haben die beiden zur neuen Saison den Sprung in die 3. Liga geschafft. CELLE. „Dann machen wir es richtig!“ Das hatten sich die beiden in die Hand versprochen, bevor ihre gemeinsame Karriere vor sechs Jahren ihren Anfang nahm. Ihr Versprechen haben sie in die Tat umgesetzt. Denn nunmehr gehören sie deutschlandweit zum Kreis von insgesamt 64 Gespannen, die nahezu jedes Wochenende die 56 Drittliga-Begegnungen leiten werden. Ein Mammutprogramm, das neben dem Beruf nur wenig Zeit für Aktivitäten lässt. Für die beiden kein Problem. „Es macht einfach Spaß“, sagen sie unisono über ihr Hobby „Schiedsrichter“.

 

Angefangen hatte alles mit einem mehr oder weniger unglücklichen Zufall. Denn als sich die damalige Schiedsrichterpartnerin von Niklas Krähe ganz kurz vor dem Ende der Saison 2009/2010 einen Kreuzbandriss zuzog, war Not am Mann oder der Frau. Den letzten Spieltag musste Krähe als Unparteiischer einer Partie in der Handball-Landesliga Frauen in Lachendorf doch noch irgendwie über die Bühne kriegen. Doch allein? Unmöglich. Da fiel Krähe Sebastian Ebel ein, der neben seiner aktiven Laufbahn als Spieler auch als Schiedsrichter unterwegs war. Ebel überlegte nicht lange, als er die Anfrage erhielt, ob er zusammen mit Krähe die Partie leiten würde. Natürlich sagte er zu. Und was die beiden dann auf dem Spielfeld ablieferten, muss so schlecht nicht gewesen sein. Hans-Georg Weidt, damals auch als Schiedsrichterbeobachter unterwegs, saß zufällig auf der Tribüne und war anschließend voll des Lobes für die Leistung von Krähe und Ebel. Es war der Anfang einer gemeinsamen Schiedsrichterkarriere. „Wir sind dann in Kontakt geblieben und haben uns irgendwann zusammengesetzt und überlegt, ob wir das nicht weitermachen“, so der 27-jährige Krähe, der im normalen Leben in Hamburg in einem Unternehmen für immobilienwirtschaftliche Software arbeitet. Das Ergebnis der Unterredung ist klar. Sie endete mit dem Versprechen, es richtig anpacken zu wollen. In der Saison 2010/2011 begann ihre gemeinsame Zeit als Schiedsrichter-Duo in der Landesliga Männer. 2012 leitete das Duo bereits Partien in der Verbandsliga, denen nur ein Jahr später die Aufnahme in den Oberligaanschlusskader folgte. In der Saison 2014/2015 gehörten Krähe und Ebel zum festen Kreis der Oberliga-Schiedsrichter, bevor nach der vergangenen Spielzeit der Sprung in die 3. Liga gelang. „Manchmal steht man ja morgens auf und sagt: Das ist mein Tag“, erzählt der 33-jährige Ebel, der abseits der Handballfelder als Kaufmann im Gesundheitswesen bei einer Krankenkasse beschäftigt ist. „Ähnlich war es bei uns vor der vergangenen Saison. Wir wussten, dass wir es schaffen können.“ Es sind die besonderen Spiele, die das Duo antreibt. Die schwierigen Partien eben, in denen es richtig um etwas geht. So war es zum Beispiel in der vergangenen Spielzeit, als die beiden unbedingt das Oberliga-Topspiel zwischen HG Rosdorf-Grone und MTV Braunschweig leiten wollten und auch angesetzt worden waren. „Da waren richtig Emotionen im Spiel – auf dem Feld und auch auf der Tribüne“, erzählen die beiden über eine aufgeheizte Stimmung in der Halle. „Da hat man dann selbst sehr viel Adrenalin im Körper, weil man nichts falsch machen will. Voll konzentriert hat man gar keine Zeit, an etwas anderes zu denken, als die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Sie haben die Aufgabe gelöst. Anstrengend war es allemal. „Nach dem Spiel haben wir in der Kabine gesessen und zehn Minuten erst mal gar nichts gesagt. Wir waren einfach platt“, erinnert sich Ebel, der im Alter von sechs Jahren die ersten Kontakte zum Handballsport beim MTV Fichte Winsen hatte. Für Niklas Krähe begann die Handballzeit beim TuS Hermannsburg. „Aufgrund meiner geringen Körpergröße (1,70 Meter) wäre ich als Handballspieler wohl nie wirklich gut geworden“, sagt er. „So bin ich eben Schiedsrichter geworden.“ An den Start gehen sie gemeinsam für den SV Garßen. Solche Spiele, wie es das Oberliga-Topspiel eines war, erwartet das Duo in Zukunft in der 3. Liga sicherlich öfter. Aber das will das Celler Schiedsrichtergespann auch. Genau so. Das treibt sie an. „Man wächst halt mit den Aufgaben und wird besser“, sind die beiden überzeugt. Darauf sind die beiden Celler vorbereitet worden. Kürzlich stand ein dreitägiger Leistungstest in Halberstadt an, in dem es natürlich auch, aber nicht nur um regeltechnische Fragen ging. Auch die körperliche Fitness wurde bei Ausdauerlauf und Sprintläufen überprüft. In ihrer bisherigen Karriere gab es viele schöne Momente. Die Einladung zum Landesvergleichskampf 2014 war so einer. „Das war schon toll, dass wir da Spiele leiten durften“, so Ebel. Doch auch das Schiedsrichter-Leben ist nicht nur von Erfolg gekrönt. Es gab schon einige Momente, wo es nicht so ganz toll lief. Dass man auf dem Spielfeld stand und hatte seine Pfeife vergessen oder der Spielball noch in der Umkleidekabine lag, weil man es einfach übersehen hatte, ihn mitzunehmen, sind in diesem Punkte nur kleine Missgeschicke. Besonders weh hatte Ebel und Krähe die Kritik eines Schiedsrichterbeobachters nach einem Spiel in Eyendorf getan. „Wir hatten gedacht, dass wir das eigentlich ganz gut gemacht hatten, und wurden dann von ihm nach dem Spiel zerrissen“, erinnert sich Sebastian Ebel. „Da haben wir uns auf der Rückfahrt schon angeschaut und uns gefragt, warum wir das eigentlich machen.“ Ganz offenbar haben sie die richtige Antwort gefunden. Auch wenn es schon mal Szenen gab, wo sie nach dem Spiel angepöbelt wurden, meistens von den Fans der unterlegenen Mannschaft. Ebel und Krähe haben das zwar nicht ignoriert, aber weggesteckt. Sie haben sich durchgebissen und sind dafür belohnt worden. Am 9. September werden sie ihr erstes Drittligaspiel leiten. TSV Altenholz gegen HSG NordNU lautet die Paarung. Na dann mal los.

Text: CZ Autor: Uwe Meier, am 25.08.2016