Navigation

Marie Ostermann: Hat für den SV Garßen Vereinsgeschichte geschrieben!


Alle kannten sie in Garßen und Umgebung. „Mary“, wie sie nur genannt wurde, war im Sport, Kirche, DRK und insbesondere im SV Garßen engagiert und beliebt.
Am 10. November 2019 ist sie im Alter von 92 Jahren gestorben und ihr großer Freundeskreis trauert um eine Persönlichkeit, die als treibende Kraft
Vereinsgeschichte geschrieben hat. Sie war trotz ihrer vielen Interessen und Aktivitäten natürlich und bescheiden und sie meinte über sich:
„Ich habe eben eine soziale Ader“.
Begonnen haben ihre Aktivitäten in Garßen als sie 1953 ihren Mann Kurt Ostermann in Garßen heiratete und eine Dienstwohnung in der Schule bezogen wurde,
die ihm als Lehrer zur Verfügung gestellt wurde. In dem bescheidenen Umfeld der Pausenhalle der Schule rief Mary die ersten Sportgruppe ins Leben.
Sie hatte sich darüber geärgert, weil im Verein nur Fußball gespielt wurde. „So geht das nicht“, fand sie und hatte eine Gymnastikgruppe für Frauen
gefordert. 50 Frauen machten gleich mit. Als dann endlich 1975 in Garßen eine Sporthalle gebaut wurde, war der Weg zum Mehrspartenverein geöffnet.
1980 machte sie in Melle ihren Übungsleiterschein. Heute ist die Damenfitessabteilung die größte Abteilung im Verein mit über 500 Mitgliedern.
„Ich habe die Gruppen aufgebaut und immer dafür gesorgt, dass Übungsleiter ausgebildet wurden, die dann die Abteilungen übernommen haben.“ Ein
Beispiel ist die Handballabteilung, die sie mit Mädchen aus ihren anderen Gruppen wieder belebte. „Manchmal konnten sich die Mädchen nicht richtig
beim Training konzentrieren, weil Jungs von der Tribüne zuschauten. Da habe ich die einfach mit dazu genommen und das Training lief prima.“ Prompt
wurde sie dann auch längere Zeit stellvertretende Abteilungsleiterin der Handballabteilung.
Mary war aber ganz besonders stolz auf die Kameradschaft „ihrer Frauen“. Außer der Gymnastik wurde die Gemeinschaft durch Kochkurse, Grillvorträge und
Besichtigungen gestärkt. 1977 wurde eine Gruppe „Mutter und Kind-Turnen“ eingerichtet, die großen Anklang fand. Später wurde daraus Kinderturnen
für 3 – 10-jährige. Es folgten weitere Aktivitäten, z.B. Jazzdanze, die legendären Modeschauen, Kinderfasching, Busfahrten u.a. im Winter in den Harz,
die Knobelgruppe, eine spezielle Rückenschule und die Krebsnachsorge-Gruppe und Weihnachtsfeiern mit Gesang. Sie richtete Schwimmgruppen für Anfänger,
Fortgeschrittene und Erwachsene ein und war selbst auch als Schwimmlehrerin tätig. Ihre eigene Jugend sah anders aus als die der heutigen
Nachwuchssportler. Als 17-jähriges Mädchen flüchtete sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren
Geschwistern im strengen, eiskalten Winter 1944/45 zu Fuß von Ostpreußen nach Schleswig Holstein. „Das war hart“ hat sie immer über die Flucht gesagt.
„Darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben“. Ihr Weg führte weiter über Itzehoe und Bielefeld. Durch die Tätigkeit in einer Buchdruckerei lernte sie
das grafische künstlerische Gestalten und erzählte, dass sie schon früh gerne gezeichnet, genäht, gestrickt und mit Bleistift und Aquarell gemalt habe.
Eine Freundin hat sie dann ans richtige Malen herangeführt.
Diese besondere Fähigkeit war dann auch die Basis für ihr Engagement in ihrer Malgruppe. 1994 hat sie sich besonders der vom Krebs betroffenen
Vereinsmitglieder angenommen und in beispielhafter Weise für spezifische Sportangebote und gesellige Veranstaltungen gesorgt. Diese Gruppe in der
Abteilung wurde eine feste Institution und jährlich einmal wurden die Bilder der Malgruppe beim Adventsbasar in der Kirche ausgestellt und der Erlös
dem Onkologische Forum Celle gespendet.
Der SV Garßen machte Mary im Jahre 2001, für ihre treibende Kraft beim Aufbau und Weiterentwicklung des Vereins, zum Ehrenmitglied und vom
Landessportbund Niedersachsen hat sie für die hervorragenden Leistungen für den Breitensport die silberne und später auch die goldene Ehrennadel erhalten.
Im Jahre 2004 wurden die Leistungen für den Sport in Celle und für das Engagement für das Onkologische Forum von Marie Ostermann besonders gewürdigt.
Celles damaliger Oberbürgermeister Martin Biermann überreichte ihr im Rahmen eines Empfangs im Alten Celler Rathaus das Verdienstkreuz am Bande der
Bundesrepublik Deutschland.

Wer so stark ehrenamtlich tätig ist, hat sicher keine Zeit für persönliche Aktivitäten. Das galt aber nicht für Mary. Irgendetwas lief bei ihr immer.
Sie lud gerne Nachbarn und Freundinnen zum Kaffeetrinken ein. Ihr Spruch: „Nehmt gerne und nehmt reichlich!“ Im Wohnzimmer auf einem Beistelltisch stand
eine geschnitzte Madonnenfigur mit Kind – nicht nur zu Weihnachten. Davon war sie fasziniert, denn sie kam aus einem sehr gläubigen katholischen Elternhaus.
„Mir waren immer die Menschen wichtig, besonders die Kinder. Ich bin ein Mensch, der versucht für alle da zu sein.“ Das zeigte sie auch in ihrem Haus in
der Purgoldstraße und großen Garten, wo sie viele Blumen züchtete und ihren Lieblingsvogel, die Eule, aus Glas und Porzellan verehrte.
Sie hat zwei Söhne, die Zwillinge Helmut und Hartmut, und eine große Enkelschar. Ein Höhepunkt im Leben von Mary, war die Diamantene Hochzeit im Jahre 2013, die sie mit ihrem Mann und der großen Familie und dem Freundeskreis begehen konnte. Im Mittelpunkt stand der ökumenische Gottesdienst in der Ev.--luth. Markuskirche in Garßen.

Ein Jahr später starb ihr Mann und auch sie musste sich aus gesundheitlichen Gründen, altersbedingt, Schritt für Schritt aus dem Sportleben, Haus und
Garten zurückziehen. Die letzten Jahre verbrachte sie im Altenheim in Lachendorf, weil sie dort besser von den Angehörigen betreut werden konnte.
Garßen ist ihr zu großem Dank verpflichtet und sie wird sicher bei vielen Gelegenheiten gesprächsweise wieder aufleben. Hier hört man dann auch: „Sie
hat die Menschen geliebt – aber sie wurde auch von ihnen geliebt!“

Text: Dietrich Schulze